Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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Holocaust-Gedenktag am Johannes-Kepler-Gymnasium

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IBBENBÜREN. „Was sollen denn hier all die Schilder?“, fragt eine Sechstklässlerin, als sie in das Pädagogische Zentrum des Johannes-Kepler-Gymnasiums kommt. Viele Schüler und Kollegen wenden ihren Blick umher, betrachten die Vielzahl der Schilder, auf denen Ortsnamen verzeichnet sind. Das Ziel des Projektes eines Geschichtskurses der Oberstufe ist erreicht: Jeder denkt über die Bedeutung der über 1000 Schilder, die im gesamten Schulgebäude aufgehängt sind, nach, heißt es in einem Pressetext.

Die emotionale Wirkung der auf den ersten Blick schlicht wirkenden Schilder entsteht durch den Gegensatz von Einfachheit und Tiefgang: Jeder dieser Namen steht für eine NS-Haftstätte, darunter auch immer wieder Orte in unmittelbarer Umgebung von Ibbenbüren. Anlass für diese Aktion war der internationale Holocaust-Gedenktag am vergangenen Sonntag.

Seit 2005 wird der 27. Januar, der Tag, an dem die Rote Armee 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von seinem Grauen befreite, als internationaler Holocaust-Gedenktag begangen. Das Johannes-Kepler-Gymnasium leistet durch jährliche Aktionen in der Stadt oder im Schulgebäude einen Beitrag, diesen Gedenktag ins Bewusstsein möglichst vieler Menschen zu rücken, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

In diesem Jahr waren die Q2-Schüler aus einem Zusatzkurs Geschichte federführend an der Umsetzung beteiligt. Im Unterricht hatten sie sich zuvor mit der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden seit 1933 beschäftigt. Aus dem Unterricht ergab sich die Projektidee: Den Schülerinnen und Schülern fiel auf, dass in der öffentlichen Diskussion vor allem die Erinnerung an das Vernichtungslager Auschwitz im Vordergrund steht, obwohl es mit den Lagern im polnischen Belzec, Chelmno, Majdanek, Sobibor und Treblinka noch weitere nationalsozialistische Vernichtungslager gab.

Die Verfolgung rassisch oder politisch Verfolgter fand in über 20 weiteren Konzentrationslagern, mehreren tausend Lagern und NS-Haftstätten statt. Allein 2223 Orte der NS-Verfolgung hat ein belgisches Forschungsprojekt in einer Europakarte zusammengetragen. Diese Karte diente den Schülerinnen und Schülern als Grundlage für ihr Projekt. Sie wollten mit ihrer Aktion auf diese erschreckend hohe Zahl an NS-Haftstätten aufmerksam machen, die das von Deutschland besetzte Europa engmaschig überzogen.

„So schlicht die Schilder mit Ortsnamen vielleicht im Einzelnen erscheinen, der Wirkung der insgesamt über 1000 Schilder im gesamten Schulgebäude kann sich wohl keiner entziehen“, erklärt Geschichtslehrer Johannes Leushacke, der sich für das Projekt verantwortlich zeigte.

Dieser Teil der deutschen Geschichte dürfe nicht in Vergessenheit geraten, „sondern wir müssen daraus lernen“. Das ist gerade in der heutigen Zeit, in der es vielerorts zu Fremdenhass und Ausgrenzung kommt, enorm wichtig, so Leushacke weiter zu dem Projekt.

IVZ vom 30.01.2019

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